Samstag, 8. Oktober 2011

Angekommen

Diesen Text habe ich als Mail schon an einige rumgeschickt. Im Zweifelsfall also ignorieren :-)

"Von vielen von euch habe ich schon Anfragen bekommen, wie es mir in Belgien denn nun ergeht. Und da ich Schwielen an den Fingern vom Tippen bekomme, wenn ich jedem dasselbe schreibe, fasse ich das mal in einer Sammelmail zusammen. Jeder von euch bekommt von mir bestimmt auch noch eine Postkarte, aber das setzt voraus, dass ich erstmal Briefmarken bekomme und heute ist dieser Versuch schon das erste Mal fehlgeschlagen. Um 17:05 Uhr hatte die Post schon zu. Damit sind wir auch schon mitten drin in Eupen, was doch eher ein kleines Nest ist. Es hat zwar ca. 18.000 Einwohner, aber trotzdem sieht man irgendwie nur sehr wenige Leute auf der Straße. Da sieht es in Aachen schon deutlich besser aus, und man ist mit dem Bus von hier aus auch in einer halben Stunde dort. Aber jetzt mal von Anfang an:
Vati und ich sind am Sonntag gut hier angekommen, und ich wohne jetzt in Eupen in dem Haus einer, na ich würde mal schätzen ca. 45-jährigen Dame (Brigitte), die 3 Zimmer vermietet. Außer mir wohnt noch ein Franzose hier, den man aber wohl nie zu Gesicht bekommt (hab ihn auch noch nicht gesehen, nur auf dem Weg zum Bad singen gehört) und eine luxemburgische Studentin. Sie ist ein paar Jahre jünger als ich und wir haben auch schon ein paar freundliche Worte gewechselt. Und natürlich Brigitte selber. Die Mieter können an Einrichtung alles mitbenutzen, nur bei dem Kauf von Toilettenpapier sollen sie sich beteiligen. Seitdem ich heute mal die Preise dafür gesehen habe, ist mir auch klar warum: 5,49 Euro für 12 Rollen Recyclingpapier!
Aber der Luxus in dieser Behausung: Einmal die Woche kommt eine Putzfrau, macht Bad und Küche sauber und fegt und wischt Staub in den Zimmern. :-D
Diese Woche ging es dann auch gleich los mit arbeiten: Die Naturschutzstation liegt in einem Hochmoorgebiet (Hohes Venn), wo aber auch ein bisschen Wald rumsteht. Alles in Allem eine sehr schöne Umgebung. Der einzige Nachteil. Zwischen meiner Wohnung und dem Naturschutzzentrum liegen ein Tal und ein laaaanger Berg. Sprich: Wenn man mit dem Fahrrad dorthin will, muss man ca. 8 km nur bergauf fahren. Bis jetzt habe ich das noch nicht gemacht, habe aber den festen Willen, es wenigstens auszuprobieren. Diese Woche hat mich allerdings immer eine Kollegin im Auto mitgenommen, die auch in derselben Straße wohnt, wie ich. Man glaubt echt nicht, wie hügelig diese Landschaft hier ist, das sind wohl die Ausläufer der Ardennen, wenn ich richtig informiert bin. Das Naturschutzzentrum liegt so auf ca. 500 m.ü.d.M., Eupen bei ca. 200 m. Das ist für einen Flachlandtiroler wie mich schon ein ganz schöner Höhenunterschied.
Die Arbeit ist interessant, macht Spaß und ist nicht ganz unverwandt dem, was wir auch in der Waldschule Potsdam gemacht haben. Allerdings ist hier das Publikum breiter: Es gibt auch viel mehr Angebote für Erwachsene und überhaupt sind die hier deutlich vielfältiger als es die kleine Waldschule sein konnte. Die letzten 3 Tage waren wir mit so einem Experimentiermobil an einer deutschen Schule und haben mit den Grundschülern Bodenversuche gemacht.
Am Montag, also meinem ersten Tag, gab’s auch gleich die volle Dröhnung: eine französische Grundschulklasse. Erstaunlicherweise hab ich doch verhältnismäßig viel verstanden, allerdings haperte es mit dem selber sprechen noch etwas. Überhaupt besteht hier ein buntes Sprachenwirrwarr. Eigentlich ist diese Region ja deutschsprachig. Da sie aber doch sehr klein ist, gibt es auch viele, die Französisch sprechen und überhaupt sind die meisten belgischen Sachen nur in Französisch und Niederländisch. So auch die Bezeichnungen im Supermarkt. Ich war am Dienstag erstmal eine gute Stunde im Supermarkt einkaufen, weil ich bei jedem Produkt gerätselt hab, was das jetzt ist, und ob da evtl. Fleisch, Gelatine oder ähnliche böse Sachen enthalten sind. Mit einer Mischung der Französischen und Niederländischen Beschreibungen bin ich dann allerdings zurechtgekommen. Der Supermarkt (der einzige größere im Ort) hatte dafür aber auch den Charme eines Baumarktes und liegt in einem furchtbar häßlichen Einkaufszentrum. Aber ich hatte ja schon erwähnt, dass die Landschaft durchaus sehenswert ist, Eupen dafür nicht so sehr (im Moment ist mitten im Zentrum auch noch eine riesige Baustelle, was die Stadt nicht wirklich sehenswerter macht). 
Für alle, die mich mal besuchen kommen wollen: Es sollte wohl kein Problem sein, hier im Zimmer noch eine Matratze hinzulegen. Die Gegend ist als Wandergebiet wohl sehr gut geeignet und im Winter gibt es auch einen Langlaufskiverleih und Loipen im Naturschutzzentrum. Ihr seid also jederzeit herzlich willkommen.
So, also das war’s erstmal für heute, Zusammenfassung: Mir geht’s gut, bis jetzt ist alles schick."

2 Kommentare:

  1. Nächster Versuch eines Kommentars...

    Das klingt doch alles echt super! (Und mit der Putzfrau machst Du mich ja richtig neidisch.) Nur eine wichtige Frage bleibt unbeantwortet: Hast Du denn schon die belgischen Spezialitäten genossen, also Schokolade und Pommes?

    Ich hab' mich über Deine Toilettenpapier-Ausführungen beäumelt - v.a. da ich diese Woche bei uns in der Firma mit der Verwaltung auch eine Toilettenpapier-Diskussion hatte.

    Bin auf Deine Fortsetzungen gespannt!
    Katrin

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  2. Sollen wir Euch ab und an Klopapier-Hilfslieferungen nach Belgien schicken?! ;)

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