Sonntag, 10. Juni 2012

Besuchswochen, die zweite Runde


Es begann an einem Freitag: Nach einer Woche Urlaub in Bad Neuenahr/Ahrweiler schauten meine Eltern auch mal für einen Tag bei mir in Eupen vorbei. Braungebrannt und an Sonne gewöhnt wie richtige Urlauber, mussten sie sich erst einmal daran gewöhnen, dass im Venn noch lange kein Sommer ist. Also Regenjacke und lange Hose angezogen und dann konnte ich im Venn mal wieder meine Qualitäten als Naturführerin testen. Zum Mittagessen ging es nach Monschau, dort war ich ja mit Dine und Björn auch schon gewesen und viel verändert hatte sich nicht, nur das Wetter war etwas schlechter. Vor der Abfahrt musste ich Vati natürlich noch wenigstens eine Biersorte probieren lassen, schließlich ist Belgien das Land der Biere.
Nachdem der erste Teil der Familie wieder abgefahren war, rückte einen Tag später der nächste an: Meine Cousine Tine mit Ehemann Sven und meinem zukünftigen Patenkind in zweidrittelfertiger Ausführung.
Da ich die ganze Woche Urlaub genommen hatte, konnten wir nun endlich die ganzen Ausflüge unternehmen, zu denen ich vorher noch nicht gekommen war. Wir begannen am Sonntag mit den Grotten von Remouchamps. In der Wallonie gibt es zahlreiche Tropfsteinhöhlen und diese ist eine davon. Die Führung gab es zwar nur auf Flämisch und Französisch, aber letztendlich erzählen sie einem in Tropfsteinhöhlen eh fast immer dasselbe und ein bisschen konnten Sven und ich mit unseren Grundkenntnissen der französischen Sprache auch übersetzen. Es war auf jeden Fall sehr beeindruckend. Tolle Tropfsteine und am Ende eine riesige „Kathedrale“. Um wieder ins Freie zu gelangen fuhren  wir mit einem Boot auf der längsten befahrbaren unterirdischen Flussstrecke Europas. Da nun auch endlich mal die Sonne schien, wanderten wir nach der Höhlenbesichtigung noch ein bisschen durch die Gegend und haben uns auch nur ein kleines bisschen verlaufen. 


Gelegentlich musste man den Kopf einziehen
 Der Montag gehörte der Hauptstadt. Das Atomium in Brüssel hatte ich von außen zwar schon gesehen, aber nun bot sich auch die Zeit und die Gelegenheit, das ganze mal von innen zu betrachten. Es war schon echt irre: Mit einem Aufzug, der oben ein Glasdach hat, konnte man bis in die oberste Kugel fahren. Das Atomium stellt übrigens keine einzelnes Atom mit Protonen und Elektronen dar, wie man vielleicht im ersten Moment denken könnte, sondern die Atome in einem Eisenkristallgitter in 165milliardenfacher Vergrößerung. Und von dem höchsten dieser Atome schauten wir nun über Brüssel. Wie schon erwähnt: ein sehr beeindruckender Blick. Auf dem Weg nach unten durch einige der anderen Kugeln konnte man noch etwas lernen über die Erbauung des Atomiums zur Weltausstellung 1956. 
Voilà: Das Atomium.
Ausruhen nach der Sightseeing-Tour

Nach der Besichtigung des Atomiums sind wir in die Innenstadt gefahren, um auch dort noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzusehen. Allen voran natürlich das Menneken Pis, dass diesmal komplett nackig war (bei meinem ersten Besuch in Brüssel war es ja als Nikolaus verkleidet). Natürlich mussten wir auch noch Belgische Waffeln essen. Nun ist in Belgien aber Waffel nicht gleich Waffel und so habe ich mich mal in die Philosophie etwas eingelesen. Man unterscheidet zwischen Brüsseler Waffel und Lütticher Waffel. Die erstgenannte wird aus einem Eierteig gebacken, ist eher weich und wird meistens in eckiger Form serviert. Im Gegensatz dazu ist das Besondere der eher ovalen Lütticher Waffeln der eingebackene Hagelzucker, der durch das Backen karamelisiert und die Lütticher Waffel süßer macht, als ihre Brüsseler Kollegin. Was man lieber mag ist wohl Geschmackssache, allerdings habe ich bis jetzt nur Lütticher Waffeln gegessen.
Haben wir uns nun für eine Waffel entschieden, stellt sich die Frage: Was kommt oben drauf? Der eingeborene Belgier isst seine Waffel gerne „oben ohne“, bzw. maximal mit Puderzucker bestreut. Einen Touristen in Belgien erkennt man (laut dem Text in unserem Stadtführer) daran, dass er die Wafffeln mit Bananen, Erdbeeren, Puderzucker, Schokosoße oder Sahne isst. Oder auch mit allem zusammen. Und wenn man sich mal eine Weile an so einen Waffelstand stellt und beobachtet, halte ich diese Theorie durchaus für glaubwürdig. Aber da wir ja echte Touristen waren, durften wir uns auch dementsprechend verhalten und wählten Touristenwaffeln (Schokosoße, Banane/Erdbeere/Puderzucker und Erdbeere/Puderzucker). So, Exkurs zu der belgischen Waffelphilosophie beendet, sonst hab ich nachher noch eins an der Waffel.

Am Dienstag schlugen dann die Eisheiligen unbarmherzig zu. Ines, du hattest recht: wenn man ins Venn geht, sollte man die dicke Jacke nicht vergessen. Für den Nachmittag hatte ich mich bereit erklärt, meinen wohlverdienten Urlaub kurz zu unterbrechen und unseren Naturkurs in einer deutschen Grundschule zu halten, weil von den anderen Kolleginnen niemand Zeit hatte. Und da Tine und Sven mich praktischerweise mit dem Auto hinfahren konnten, hatte ich auch keine Transportschwierigkeiten (danke nochmal für’s Fahren!). Nebenbei haben die beiden mich auch noch beim Basteln mit den Kindern unterstützt: Wir haben verschiedene Typen von Papierflugzeugen gebastelt und ausprobiert. Es ist doch schön, wenn man selber spielen darf und das auch noch als Arbeit gilt :-) Zum Glück hatten wir das Thema auch so geplant, dass wir überwiegend drinnen bleiben konnten, denn als wir in der Schule ankamen, gab es erst einmal einen kleinen Schneesturm und der war so gründlich, dass die Pampe auch noch für ca. eine Stunde liegen blieb. 

Angesichts dieser Wetterlage entschieden wir uns am Mittwoch dafür, der freien Natur den Rücken zu kehren. Und da Schokolade ja ein Stimmungsaufheller sein soll, sind wir in die Chocolaterie Jacques gefahren. Wir wurden schon vorgewarnt, nicht zu viel zu erwarten und es ist auch tatsächlich keine Edelchocolaterie, so wie es in der Lindt-Werbung immer zu sehen ist. Also kein Pâtissier, der das Glöckchen für Osterhase oder Weihnachtsmann  auf dem Kissen reicht, sondern es ist schon eher eine Schokoladenfabrik mit einer kleinen Ausstellung über die Herstellung von Schokolade und einem Bereich, bei dem man durch Glaswände in einen Teil der Produktionsräume schauen kann. Allerdings waren das leider nur die Verpackungsräume, wo die Schokoladentafeln über das Fließband liefen und in Folie geschweißt wurden. Zwischendurch stehen dann nur noch ein paar Mitarbeiter, um aufzupassen, ob alles glatt geht. Am Interessantesten ist das Zusehen natürlich, wenn genau das nicht der Fall ist :-)
Auf den Folien der Schokoladentafeln war wohl ein Fehler drauf, und nun musste dieser Mitarbeiter alle Tafeln einzeln wieder auspacken.

Anschließend haben wir uns in der Carolus-Therme in Aachen richtig aufwärmen und durchweichen lassen (Danke, Katrin!). So konnte ich dann auch ganz entspannt am Abend zur Orchesterprobe gehen, und hinterher haben wir noch in einer angenehmen Location einen noch angenehmeren Cocktail geschlürft. Hach, wat jeht et uns jut. 

4 Kommentare:

  1. wie schön, endlich von unseren Erlebnissen lesen zu können und nochmal davon zu träumen (ach, Urlaub....). Zumal sich meine Motivation zum Arbeiten immer mehr verzieht.
    Nun ja, jetzt hab ich aber doch nochmal eine Frage: du schreibst, dass du bisher immer nur Lütticher Waffeln gegessen hast. Bist du da sicher???? Ich hätt gedacht (auch nach deinem ausführlichen Exkurs), dass wir in Brüssel eine Brüsseler Waffel genossen haben.... (sie war immerhin eckig!!)
    *ganz liebe grüße und wir müssen uns unbedingt mal wieder "treffen"*
    die Tine

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  2. Hallo liebe Tine,
    was die Waffeln angeht: Ich war der Meinung, dass die relativ süß war und dort dieser Hagelzucker drin war. Aber ganz sicher bin ich mir auch nicht. Sollte ich nochmal nach Brüssel fahren, werde ich das nochmal unter die Lupe nehmen. Bis dahin können wir uns ja einfach auf Belgische Waffel einigen, das ist auf jeden Fall richtig :-)
    Dann schick ich dir mal einen großen Schub Motivation rüber. Noch einen guten Monat und dann ist ja erstmal gut mit Arbeiten.
    Sei gedrückt!

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  3. Das klingt ja alles sehr gut, da ärger ich mich, dass wir nicht länger bleiben konnten. Die Höhlen hätte ich sehr gern gesehen und das Atomium war damals geschlossen, als ich da war. Aber unser Ausflug nach Monschau gefiel mir sehr gut. Auch das Venn und Aachen kannte ich vorher nicht - fand ich übrigens sehr schön!

    Danke für den Waffel-Exkurs ... so hab ich das bisher noch nie gesehen, aber ich hatte auch definitiv eine Touristenwaffel mit Erdbeeren und Schokoladensosse. Welcher Brüsseler verzichtet denn darauf, nur um nicht als Tourist erkannt zu werden?? Komische Leute :P

    Aber habt ihr denn auch Janneke Pis gesehen? Die kleine/grosse Schwester von Manneke?

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  4. Hey Dine,
    irgendwo noch ein Stück weiter südlich soll es noch die schönsten Höhlen Belgiens geben. Diese lohnen sich vielleicht noch mehr. Und es freut mich, dass dir unsere Ausflüge trotzdem gefallen haben.
    Und Janneke haben wir nicht gesehen, dafür aber den Hund (ich weiß aber gar nicht mehr, wie der hieß ;-) )

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