Neben der ganzen Rumreiserei und Feierei muss ich natürlich
gelegentlich auch mal was arbeiten. Dass ich das auch mache, könnt ihr in diesem
Zeitungsartikel lesen.
Das Exploregio-Mobil ist dasselbe Modell wie ein
Bierwagen auf einem Jahrmarkt. Nur haben wir leider keinen Zapfhahn an Bord, dafür ein paar Bunsenbrenner, Messbecher und Reagenzgläser. Anstrengend
ist immer der erste Tag, wenn wir an eine Schule kommen. Dann fährt ein großes
Auto dieses gelb-orangefarbene Ungetüm auf den Schulhof und die ersten 150
Kinder fragen: „Was ist das?“ „Was macht ihr hier?“ und „Bekomm ich eine Cola?“.
Das ist die Phase, in der wir die Kinder so gut wie möglich ignorieren. Du
kannst einfach nicht allen antworten. Einigen erklären wir dann immer „Das ist
ein Labor, wir machen hier Experimente und ihr dürft im Laufe der Woche bestimmt
auch hier rein.“ Damit geben sich die meisten dann zufrieden.
Eigentlich bin ich immer sehr gerne mit diesem Mobil unterwegs.
Man erzählt zwar 6 mal am Tag dasselbe und das dann auch noch an mehreren Tagen hintereinander, aber man hat ja immer wieder andere Kinder vor sich. Auf diese
Weise kann man so schön vergleichen zwischen den Klassen, man kann sich aber
auch selber schneller anpassen. Wenn man einmal gemerkt hat, dass ein
Experiment nicht so gut läuft oder die Kinder es nicht richtig verstanden
haben, dann versucht man es einfach beim nächsten Mal ein bisschen anders und
guckt, ob es besser funktioniert.
Meine lieben ehemaligen Kommilitonen, erinnert ihr euch noch
daran, als wir für „Nutztierkunde“ gelernt haben und unsere Performance dazu?
(Historie, Zukunft, Geld, Relief, Ausdehnung…) Oder an das Ausdruckstheater,
mit dem wir die MHC-Gene dargestellt haben? Neulich morgens um kurz nach 6
musste ich daran denken, als ich überlegt habe, wie man den Zweitklässlern die
unterschiedlichen Energieformen besser verdeutlichen könnte. Schließlich haben
wir uns für jeden Stichpunkt eine Bewegung ausgedacht und das Ganze hat
tatsächlich funktioniert! Die Kinder haben sich das deutlich besser gemerkt,
als die Tage davor. Merke: Im Studium mal wieder was für’s Leben gelernt. Wenn
du dir Sachen nicht merken kannst, bastele ein Theaterstück daraus. Die
Erkenntnis ist ja nicht ganz neu, aber immer wieder erstaunlich, wenn’s klappt.
Nach der Arbeit folgt bekanntlich das Vergnügen und das
bestand neulich aus dem Fest „Cuisine du monde“, zu Deutsch: „Küche der Welt“. Elena,
eine Freiwillige aus Südtirol, arbeitet im Asylbewerberheim in Eupen, wo diese
Veranstaltung stattfand, sonst wären wir vermutlich dort gar nicht hingegangen.
Dieses Fest wird wohl jedes Jahr veranstaltet und dieses Jahr war das Thema „Kaukasus
und Balkan“. Wie der Titel „Cuisine du monde“ vermuten lässt, gab es natürlich
etwas zu essen aus den genannten Regionen. Fragt mich nicht, was es war, aber
es war ziemlich gut (und für mich natürlich ohne Fleisch ;-) ) Gut gesättigt
konnte man sich anschließend den kulturellen Beiträgen widmen: Musik und Tanz
aus den unterschiedlichen Regionen, aber auch zwei Vorträge, einer über den
Balkan und einer über den Kaukasus. Von letzterem habe ich leider nicht sehr
viel verstanden, weil er auf Französisch gehalten wurde, aber der über den
Balkan war unglaublich interessant. Ich muss ja zugeben, dass ich mich noch nie
mit der Geschichte und den Hintergründen der verschiedenen Volksgruppen dort
beschäftigt habe und der Vortrag sicherlich auch nur einen kleinen Einblick
geben konnte, auch wenn er sehr gut gehalten wurde.
Letztendlich wurde mir an diesem Abend aber einmal mehr
bewusst, wie wenig man über andere Völker und Kulturen weiß und wie schnell man
mit Vorurteilen bei der Hand ist, die eigentlich jeglicher Grundlage entbehren.
Und diese so unterschiedlich geprägten Menschen leben alle gemeinsam in einem
Haus, in einem fremden Land und mit der Unsicherheit, ob ihre Anträge angenommen
oder abgelehnt werden. Haben sie für diesen Mut nicht deutlich mehr Achtung
verdient, als ihnen häufig zuteilwird?
Eine Woche später am Freitagabend fand auf Ternell ein
Kräuterseminar statt, bei dem man lernen konnte, welche Wald- und Wiesenkräuter
essbar sind und was man daraus so machen kann. Ich fand es sehr spannend, weil
mich so etwas schon lange interessiert hat, aber nur anhand von Büchern und
Internetrezepten habe ich mich immer nicht so richtig heran getraut an die Materie. Das war also die
Gelegenheit und nun kann man mich bei Bedarf auch zum Mittagessen zum Grasen
auf die Wiese schicken. Frei nach dem Motto: „Mein Essen wird nicht mehr welk,
ich pflück es mir jetzt selbst.“ Neben Gänseblümchen-Pesto und Brennnesselsalat,
weiß ich nun auch, dass man Giersch als Petersilienersatz verwenden kann und dass
man mit Holunderblüten Eierkuchen/Pfannkuchen verfeinern kann. Auch
Spitzwegerich und Wieseklee sind nicht zu verachten und können einen Salat oder
Kräuterquark verfeinern. Junge Buchenblätter kann man auf ein Butterbrot legen
und den Wiesenklee wie Erdbeeren ins Schokofondue tauchen. Inzwischen bekomme
ich auch monatlich den Newsletter von der Seminarleiterin und ich bin schon
gespannt, was im Juli die „Pflanze des Monats“ wird.
Wiederum eine Woche später (wir sind inzwischen beim 15.
Juni angekommen) war von genießbarer Natur in Eupen nicht mehr viel übrig, es
war eher laut und wild: die Eupener Kirmes. Das hieß für uns: ein bisschen Bier
trinken, schokoladenüberzogene Erdbeeren essen (Wiesenklee hatten sie grad
nicht ;-) ) und Fahrgeschäfte fahren, bis einem schlecht wird. Gut, wer mich
beim Autofahren erlebt hat, der weiß, dass ich dazu nicht allzu lange fahren
muss. So richtig schlecht war mir zum Glück nicht, aber ich habe mich bei der
zweiten Runde freiwillig dazu bereit erklärt, den Taschenhalter für die anderen
zu machen. :-)
Nebenbei mussten wir natürlich auch noch zusehen, dass wir
keines der wichtigen EM-Spiele verpassen, wobei „wichtig“ natürlich eine Frage
der Definition ist: Für mich sind natürlich alle Deutschland-Spiele wichtig,
für Elena, die italienischsprachige Südtirolerin, die Italienspiele. Anja, die
deutschsprachige Südtirolerin, ist auch meistens für Italien, wenn auch nicht
ganz so leidenschaftlich wie Elena. Die beiden Österreicherinnen sind meistens
für Portugal oder Spanien. Für Spanien oder Italien bin ich ja nun eigentlich
gar nicht, weil gegen diese Mannschaften die letzten großen Niederlagen der
Deutschen stattfanden. Auf diese Weise haben wir schon mehrere sehr
unterhaltsame Fußballabende gehabt, an denen ich auch mal für Irland war oder
Elena für Griechenland, einfach nur, weil wir „dagegen“ sein wollten. Unsere
Spanierin Laura ist ja leider schon wieder zurück in ihrem Heimatland, sonst
hätte das bestimmt noch ein paar mehr interessante Aspekte gegeben. Die größte
Herausforderung für unser friedliches Zusammenleben ist nun das Halbfinale
Deutschland gegen Italien. Wir werden das Spiel gemeinsam bei italienischer Pizza und
deutschem Bier gucken und egal, wie es ausgeht, spätestens am Freitag vertragen
wir uns wieder, das ist ausgemacht.
![]() |
| Elena mit dem griechischen Alphabet und ich mit den Deutschlandfähnchen und der Toranzahl für Dtl. im Gesicht |

Wat hab' ick mir wieder jeäumelt bei Deinem Blog. *kicher* Aber der Reihe nach. Den Artikel habe ich sogar vor kurzem shon gelesen - da hatte ich Dich mal gegoogelt. *g*
AntwortenLöschenWeißt Du, woran ich bei Deiner Beschreibung des Darstellenden Spiel gedacht hab? An "Hanni und Nanni"! Ich glaube Margret (oder so ähnnlich) konnte sich da doch Gedichte auch nur merken, wenn sie die gespielt hat.
Dann bin ich jetzt mal gespannt, wenn ich das nächste Mal mit Dir zusammen eine Wiese sehe, ob danach noch was übrig ist, oder ob Du alles aufgegessen hast. *g* Aber ich gebe zu, sogar ich als absoluter Nicht-Öko hab' schon öfter überlegt, wie man deenn die Pflanzen, von denen es heißt, dass man sie essen kann, so zu sich nimmt. Ich bestelle hiermit ein Butterbrot mit jungen Buchenblättern!
Die Fußball-Events klingen auch cool. Ich bin ja zwischendurch auch einfach gerne mal für die, für die sonst keiner ist. (Es sei denn sie spielen gerade gegen Deutschland.) Ja, die Herausforderung kommt Donnerstag. Ich glaube ja, dass das ins Elfmeterschießen geht. *bibber* Bei uns in der Firma gibt es Überlegungen, ob man Freitag in der Kantine Antonios Pizza essen sollte. Entweder er ist vermutlich noch high vom Feiern und hat die Nacht durch gemacht, oder er hat absolut kein Bedürfnis für Deutsche etwas zu machen. In beiden Fällen weiß man nicht so genau, was auf der Pizza landet... *g* Aber ich bin generell gespannt, ob die Kantine am Donerstag wieder was fußballerisches macht. Am Freitag hatten alle Muffins kleine Deutschland- oder Griechenlandfähnchen, es gab schwarz-rot-goldene Obstbecher (unten Ananas, darüber Erdbeeren und oben Blau- und Brombeeren) und blau-weißes Joghurt (Naturjoghurt mit Blaubeeren).