Während das Zelt so langsam vom Tau vor sich hin trocknete,
frühstückte ich in der Morgensonne. Danach ging es Richtung „Kopvan’t Land“
(schön, dass man sich oftmals einfach denken kann, was die niederländischen
Worte bedeuten). Und da, wie der Name eben sagt, das Land dort zu Ende war, stand
die nächste Fährüberfahrt auf dem Programm.
| Fähre bei Kopvan't Land |
Kurz hinter dem Anleger dann die
(heutige) erste Differenz zwischen Karte und Wegweiser. Karte sagte rechts,
Wegweiser links. Ich entschied mich für Karte und traf damit zielsicher die
falsche Entscheidung (und so entstehen dann die Gerüchte, ich hätte einen
schlechten Orientierungssinn). Nach 2 km ging’s auf jeden Fall wegen einer
Baustelle nicht mehr weiter, nicht mal für Fahrräder, also musste ich umdrehen.
Immerhin war es ein wunderschönes Naturschutzgebiet, durch das ich da geradelt
bin. Nun den Wegweisungen folgend musste ich dieses Naturschutzgebiet leider
verlassen und mich durch mehrere Straßenbaustellen wühlen. Auf diese Weise
entging ich auch der zweiten Fähre des Tages. Dafür hatte ich eine interessante
Unterhaltung mit einem älteren Herrn, der zwar nur niederländisch sprach, sich
aber davon nicht abhalten ließ, mir unbedingt den richtigen Weg weisen zu
wollen. Irgendwie hat er es auch geschafft und ich kam da an, wo ich hinwollte.
Auf der nächsten Fähre traf ich dann meine
Campingplatznachbarn von letzter Nacht wieder, sowohl die von links als auch
die von rechts. Das eine war eine ebenfalls allein radelnde Frau, ein paar
Jahre älter als ich. Nach der Fähre fuhren wir noch ein Stück gemeinsam weiter
und ich stellte fest, dass meine „old-school“-Ausrüstung auch Vorteile hat. Sie
bat nämlich darum, mal auf meine Karte gucken zu dürfen, weil ihr GPS ständig
ausfiel. Es verbrauchte mehr Strom, als die Solarzellen auf ihrem Gepäckträger
aufladen konnten. Ist also doch nicht verkehrt noch „Karten zum Anfassen“ dabei
zu haben (wenn sie einen denn nicht in die falsche Richtung locken wollen…).
| Auf der Fähre nach Gorinchem |
Nach dem Mittagspicknick ging es gestärkt und ausgeruht
weiter, heute alles recht unspektakulär. Hinter Geldermalsen waren in meinem
Fietsatlas drei Campingplätze eingezeichnet, also hoffte ich, wenigstens einen
davon zu finden. Da sie aber alle recht abgelegen schienen, wollte ich vorher
noch einkaufen. Vor dem Supermarkt sprach mich auch wieder ein älterer Herr auf
Niederländisch an. Auf die muss ich irgendwie als alleinreisende Frau eine besondere
Anziehung gehabt haben, wobei ich das jetzt positiv meine. Die waren alle
freundlich, aber keinesfalls aufdringlich. Als er merkte, dass ich
verständnislos guckte, deutete er nur in eine Richtung, um mir anzudeuten, wo
ich weiterfahren sollte. Als ich kurze Zeit später ein paar andere Radfahrer
fragte, ob es den Campingplatz, wo ich hinwollte, wirklich gäbe, sagten sie mir,
dass sie dort keinen gesehen hatten, aber ein Stückchen weiter gäbe es einen.
Also versuchte ich es dort und siehe da, er existierte. Dort traf ich dann
einen weiteren (deutschen) Radfahrer, mit dem ich an einer unübersichtlichen
Kreuzung Wegeraten gespielt hatte und dem ich auch am nächsten Tag noch öfter
begegnete. Seine einzige Beschäftigung war aber anscheinend sich über die
ach-so-schlechte Beschilderung aufzuregen. Außerdem sah ich auf dem
Campingplatz auch den älteren Herrn wieder, der mir vorm Supermarkt den Weg
gewiesen hatte. Er meinte: „Ach, Camping gefunden?“ Wollte er mich darauf schon
beim ersten Treffen hinweisen? Man weiß es nicht.
Tagesetappe: ca. 82 km
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