Hallo ihr Lieben,
erst einmal möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses
Blog im letzten Jahr regelmäßig verfolgt haben und eventuell auch darüber
Rückmeldung gegeben haben. Wär ja sonst auch langweilig, wenn man extra online
schreibt, und keiner liest es. Nun werde ich mal sehen, ob ich hier auch in
Zukunft noch weiter schreibe oder nicht. Vielleicht lohnt es sich für euch, den
Link noch nicht zu löschen, sondern ab und zu doch noch mal reinzugucken.
Tja, was ist passiert in den letzten zwei Monaten? Nach der
Fahrradtour hab ich noch ein paar Tage Urlaub in der Schweiz gemacht. Natürlich
war das wie immer viel zu wenig. Die Schweiz ist zwar ziemlich klein, aber
trotzdem habe ich das Gefühl, dass es dort eine enorme Dichte an Sehenswertem
gibt, sodass man immer noch länger bleiben könnte. Aber das ging leider nicht,
denn erstens hatte Katrin mir ja in mühevoller Arbeit schließlich doch ein
Bahnticket zurück nach Aachen buchen können, was ich nun auch nutzen wollte und
zweitens war Vati schon mehr oder weniger auf dem Weg, um mich aus Eupen
abzuholen. Ja richtig, ich hatte den Luxus, mit dem Auto vom EVS abgeholt zu
werden. Aber da ich mein Fahrrad und mein Akkordeon in Eupen hatte, hätte ich
es auch sonst gar nicht geschafft, den ganzen Kram mit dem Zug zu
transportieren. Wieder daheeme wurde zunächst die Wohnung umgeräumt und
gestrichen. Irgendwie frage ich mich, ob ich das früher einfach schön fand,
oder ob mir nicht aufgefallen ist, wie komisch die Einrichtung aussah.
Vermutlich eine Mischung aus beidem. Zumindest dachte ich beim Betreten der Wohnung: „Oh, hier musst du aber mal was tun.“ Da in meiner Familie aber
das Dekorateur-Gen jetzt auch nicht so unbedingt weit verbreitet ist, brauchte
ich erst einmal Hilfe beim Möbelschieben, bei der kreativen Beratung und anschließend
auch noch bei der Ausführung, denn eine halbe Wohnung im Alleingang zu
renovieren ist nicht so einfach. Musste ich ja zum Glück auch nicht, denn für
alle genannten Schritte haben sich fleißige Mittäter gefunden, denen ich von
Herzen danke. Nebenbei war noch ein bisschen Polterabend vorzubereiten, sich
bei diversen Leuten wieder zurückmelden und auf Babys freuen, denn inzwischen
hat sich sowohl unser Orchesterkreis als auch die Familie um jeweils ein neues
Mitglied erweitert. Genau im Abstand von einer Woche kamen Mila (Orchesterkind)
und Lena (meine Nichte 2. Grades) auf die Welt. Beide sind gesund, munter und
unglaublich süß. Lena ist natürlich das tollste Kind der Welt (Sorry, es gibt
einige die ganz dicht danach kommen :-D ) und im nächsten Jahr werde ich dann hoffentlich
ganz offiziell ihre Patentante werden.
Am 3. September fing dann schließlich die Ausbildung an.
Natürlich war ich auch wieder ganz schön aufgeregt, wie das halt so ist, wenn
man irgendwo neu anfängt. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich von vielen
Dingen positiv überrascht bin. Die Bäckerei/Konditorei Krautzig befindet sich
in der Schönhauser Allee in Berlin, also am nördlichen S-Bahn-Ring. Es ist ein
relativ kleiner Betrieb, von der Anzahl der Mitarbeiter durchaus mit der
Bäckerei meiner Eltern zu vergleichen, nur ein deutlich größerer Anteil davon
sind Lehrlinge. In der Konditorei sieht das bei Krautzig konkret so aus, dass
eine festangestellte Konditorin dort arbeitet, eine mit einer halben Stelle,
ein Azubi im dritten Lehrjahr, zwei im zweiten und einer im ersten. Wobei ich
zwar noch nicht wirklich viel kann, aber schon einer von den beiden im zweiten
Lehrjahr bin. Bereits wenn man Abitur hat, ist es nämlich möglich, schon im
zweiten Lehrjahr einzusteigen und das erste komplett zu überspringen. Den dabei
verpassten Lernstoff theoretisch nachzuarbeiten ist das eine, andererseits muss
man aber auch die praktischen Fähigkeiten relativ schnell lernen, denn zwischen
März und Mai 2013 sind für uns schon die Zwischenprüfungen. Auch wenn man
da eigentlich nicht durchfallen kann, wäre es schon schön, diese relativ gut zu
bestehen. Aber wenn ich etwas gelernt habe in den letzten 6 Wochen, dann das,
dass der Konditorberuf sehr viel mit Gefühl zu tun hat. Der Spruch „Augenmaß
und Handgewicht täuschen den Konditor nicht.“ enthält sehr viel Wahres. Und es
ist nicht so einfach, eine Masse so auf einem Blech auszustreichen, dass sie
überall gleich hoch ist oder einen Kuchen in 60 gleichmäßige Stücke zu
schneiden, oder eine Torte so mit Schokolade zu überziehen, dass überall
Schokolade ist, diese aber möglichst dünn. Wenn solche Sachen am Anfang nicht
richtig klappen, bekommt man immer wieder zu hören: "Irgendwann hast du das im
Gefühl." Dann hat man wohl auch im Gefühl, wieviel Wasser noch in den Fondant
muss, welche Konsistenz Persipan haben muss und man sieht mit einem Blick, ob
die Pfannkuchen genug Gare haben…Also werde ich mal sehen, wie sich mein Gefühl
in diese Richtung weiterentwickelt.
Inzwischen war ich auch schon ein paar Mal in der Berufsschule
und auch dort war ich positiv überrascht. Zum einen bin ich nicht die Älteste
in der Klasse, was ich mit meinen zarten 27 Lenzen ja fast erwartet hätte. Es sind
einige dabei, die ein abgeschlossenes oder angefangenes Studium haben und dann
doch das Fach in Richtung Konditor gewechselt haben. Viele in der Klasse haben
Abitur und es sind wohl insgesamt nur 3 von 26 Schülern, die direkt mit 16 ihre
Ausbildung angefangen haben. Die meisten sind so Anfang 20 und den Umgang mit dieser
Altersstufe habe ich ja im letzten Jahr sehr geübt ;-) Natürlich kennt man sich
nach 5 Tagen Berufsschule jetzt noch nicht so gut, aber insgesamt fühle ich
mich sehr wohl in der Klasse. Der Unterricht ist auch in Ordnung, zumindest was
die fachspezifischen Fächer angeht. Seit einigen Jahren wird die Ausbildung in
Lernfelder eingeteilt, sodass man in jedem Semester 2 Lernfelder hat. Wer
mitgerechnet hat, kommt jetzt darauf, dass demzufolge im Moment die Lernfelder
5 und 6 dran sind, das sind „Herstellen von kleinen herzhaften Gerichten“ und „Herstellen
von feinen Backwaren aus Massen“. Immer abwechselnd haben wir dann eine Woche
Theorie und in der anderen Woche Praxis. Das bedeutet, dass wir auch zum
Frühstück schonmal Suppe oder Nudeln kochen bei den herzhaften Gerichten. Im 6.
Lernfeld geht es unter anderem darum, welche Einflüsse die einzelnen Zutaten
auf das fertige Gebäck haben. Wie sieht ein Biskuit aus, wenn der Eischnee
überschlagen ist oder was bewirkt ein höherer Anteil an Weizenstärke im
Verhältnis zum Mehl und solche Sachen. Das ist alles echt interessant, gerade
weil man ja sonst solche „vergleichenden Backversuche“ im Alltag eher selten
macht.
Die Berufsschule ist immer mittwochs in Wittenau, was noch
ein Stückchen weiter nördlich in Berlin ist, als die Schönhauser Allee, aber
immerhin ist das der Tag in der Woche, wo man auch mal ausschlafen kann. Der
Begriff „Ausschlafen“ ist ja sehr relativ und an Berufsschultagen bedeutet das
also bis halb 6. Da ich aber an normalen Arbeitstagen um halb zwölf aufstehe
(also um 23.30 Uhr) ist das dann schon ein Ausschlafen. Wenn die S-Bahnen gut
kooperieren bin ich dann so zwischen halb 2 und 2 Uhr auf Arbeit und dann geht
es meistens so bis 10.30 Uhr. Jaaa, wer früh kommt, kann auch früher wieder
Feierabend machen. Insgesamt finde ich die Arbeitszeiten auch gar nicht so
schlimm, denn letztendlich arbeitet man so 8 bis 10 Stunden am Tag, wie die
meisten anderen Arbeitnehmer ja auch. So einen richtig festen Schlafrhythmus
habe ich allerdings noch nicht. Entweder ich schlafe gleich nach dem Nachhausekommen ein bisschen (das ist meistens der Fall, wenn
ich abends noch Orchesterprobe habe). Oder ich bleibe wach und gehe dann so
zwischen 16 und 18 Uhr schlafen. Ist eigentlich angenehmer, wenn man „am Stück“
schläft, aber halt nicht immer möglich. Immerhin habe ich ja wenigstens Samstag
und Sonntag immer frei, was ja bei dem Beruf des Konditors schon ein ziemlicher
Luxus ist.
So, das war’s mit den ersten Infos aus der Backstube, bald
wird es ordentlich zu tun geben, denn Weihnachten steht ja förmlich schon vor
der Tür.
Sehr schön zu hören, dass es dir bisher gefällt! Die Aufstehzeiten haben mich dann doch etwas geschockt - also durchhalten!
AntwortenLöschenAh schön, da ich immer noch nicht weiß, wann ich dich anrufen darf. Mach dir keine Sorgen, die zeit wird schnell vorbei sein. Chaka du schaffst das!!!!
AntwortenLöschenLG uli
Tja, einfach irgendwann versuchen. Entweder ich geh ran und bin wach oder eben nicht...
AntwortenLöschenIch les auf weiterhin mit *g* Schön, dass es hier wieder was zu Lesen gibt!
AntwortenLöschenich bin vielleicht eine der Letzten, die gerade gelesen... Und das hat mein (Frei-)Zeitbudget für heut auch mehr als ausgeschöpft, den Rest heb ich mir also für wann anders auf... Deshalb hab ich auch gar nicht lange Zeit was zu kommentieren. Aber das muss ich noch loswerden:
AntwortenLöschen- da hat meine Schwester also das gleiche Problem geäußert wie ich... *gedankenübertragung??*
- danke für das Kompliment!!!!!!!! (manchmal finden wir sie auch das tollste Kind der Welt ;-) )
Jetzt versuch ich schlafen zu gehen und hoffe, dass ich eingeschlafen bin bevor Lena wieder aufgewacht ist....
ach, was ich noch dazu schreiben wollte: Wie schön, dass deine größten Bedenken zur Ausbildung (der Betrieb, der Schlafrhythmus, die tägliche Arbeitszeit, die Berufsschule) sich doch ganz gut aufgelöst haben, das ist doch schön!!!
AntwortenLöschenUnd es ist auch super, dass wir weiterhin etwas von dir lesen können (und da werde ich mich nun mal an den "neuen" Artikel wagen, ich bin schon sehr gespannt wie du unsere Erlebnisse aufgeschrieben hast ;-) )
ach, Lena hat mir gesagt, dass ich dich dolle zurückknuddeln soll von ihr ;-)