Endlich Urlaub für mein Fahrrad und mich. Nur, wo sollte es
hingehen? Da half Kollege Zufall in Form einer Einladung weiter. Eine Woche
nach Urlaubsbeginn sollte eine Geburtstagsfeier bei einem Freund in der Nähe
von Schleswig stattfinden. Kurz mal auf die Karte geguckt und festgestellt:
Eine Woche von Potsdam nach Schleswig, das sollte zu schaffen sein. Somit stand
der erste Teil der Reise fest.
Die Siebensachen wurden auf sechs Fahrradtaschen verteilt
und so wackelte ich mit fünf Minuten Verspätung (mehr oder weniger) von der
Viereckremise für drei Wochen Urlaub auf meinen zwei Rädern los,
dem einen Ziel entgegen. „Wackeln“ ist dabei wörtlich zu nehmen, denn an so
viel Gepäck auf dem Rad muss man sich erst einmal gewöhnen.
Zur Einstimmung gab es bestes Fahrradwetter und leuchtende
Mohnfelder im Sonnenschein.
Das erste Ziel war Neuruppin. Einer der zahlreichen Orte, an
denen ich die Gastfreundschaft von Freunden genießen konnte.
Am nächsten Tag bog ich nach Westen in Richtung Elbe ab. Dabei galt es mehrfach Wasser zu überwinden. Mal auf der wenig Vertrauen erweckenden Variante:
Mal auf bequemere Weise:
Die erste Campingnacht verbrachte ich in Werben an der Elbe - mit ca. 1200 Einwohnern eine der kleinsten Städte Deutschlands.
| Werben - Elbtor |
Rund um Hamburg habe ich dann zugegebenermaßen auch etwas geschummelt und den Großraum HH mit dem Zug bewältigt. Zum einen hatte ich mich dort auch wieder zu Besuch angemeldet und wäre als Pedalritter erst enorm spät angekommen und zum anderen sind Stadtdurchfahrten meist sehr anstrengend, weil man ständig anhalten muss und ich mich sowieso ständig verfahre.
Für mich waren das Ärgernis dabei allerdings die Aufzüge am Bahnhof Hamburg-Harburg. Sie waren schlicht und einfach zu klein für mein Fahrrad (auch ohne Gepäck), sodass ich trotz vorhandener Aufzüge mein Rad schleppen durfte.
Kurz vor Kiel zeigte sich dann mal wieder, dass man die schönsten Orte doch entdeckt, wenn man sich verfährt. Eigentlich wollte ich dem ausgeschilderten Radweg folgen. Irgendwann war es aber nur noch ein kleiner Waldweg über Stock und Stein und ein Stück weit musste ich schieben. Dabei kam ich allerdings an diesem Kleinod an der Schwentine, einem der längsten Flüsse Schleswig-Holsteins, vorbei:
Dort konnte ich Libellenpaarungen beobachten:| oben: gebänderte Prachtlibellen, unten: keine Ahnung |
Schließlich fand ich auch wieder zurück zum Hauptweg. Ein Landwirt guckte zwar etwas komisch, als ich mein Rad dazu über seinen Hof schob, sagte aber nix. Auf der anderen Seite der Straße habe ich mich allerdings gleich wieder verfahren und musste mir erst von einem Waldarbeiter die richtige Richtung weisen lassen. Erstaunlich, dass ich an diesem Tag überhaupt noch in Kiel bei meiner Cousine und ihrem Freund ankam.
| Blick von der neuen Hochbrücke Kiel-Levensau |
| Die Brücke von unten |
Das erste große Ziel der Tour war nun schon fast in Sicht. Eine Woche lang gab es fast nur gutes Wetter. Bis es 3 Kilometer vor Idstedt (bei Schleswig) nicht nur anfing zu regnen, nein, es kübelte geradezu. Im Nu waren die Klamotten am Leibe durchnässt und das Wasser lief von oben in die Schuhe, sodass es beim Treten schon schwappte. Ärgerlich für mich, aber noch ärgerlicher für Frank, der an diesem Nachmittag seinen 30. Geburtstag im Garten feiern wollte. Vorausschauenderweise hatten seine Frau und er im Garten schon einen großen Pavillon aufgebaut und insgesamt war es doch eine schöne, wenn auch etwas nasse Feier. Aber mit dem Grillbuffet in der Garage und der Lagerfeuerschale unter dem Pavillon wurde doch noch das beste draus gemacht. (Der Pavillon war hoch genug, sodass nix angekokelt ist.)
Dies war das Ende des ersten Teils der Tour. Am nächsten Tag ging es mit dem Zug in Richtung Süden. Nochmals vielen Dank an alle, die mir mit ihrer Gastfreundschaft die Tour so angenehm und abwechslungsreich gestaltet haben.
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